Historische Sichtachsen, seltene Arten und traditionelle Waldpflege prägen ein außergewöhnliches Projekt rund um die Altenburg.
Wer wissen möchte, wie sich der Altenburger Wald in den kommenden Jahren entwickeln wird, hat im September gleich mehrfach Gelegenheit dazu: Bei öffentlichen Waldführungen erläutern Fachleute des Forstamtes die geplanten Maßnahmen direkt vor Ort und beantworten Fragen. Im Mittelpunkt steht ein Projekt, das historische Sichtachsen zur Altenburg wiederherstellt, seltene Tier- und Pflanzenarten fördert und zugleich eine jahrhundertealte Form der Waldbewirtschaftung zurückbringt.
Der Altenburger Wald ist weit mehr als die grüne Kulisse der Altenburg. Mit seinen alten Eichenbeständen, wertvollen Habitatbäumen und seltenen Tierarten gehört er zu den ökologisch bedeutendsten Waldflächen im Stadtgebiet. Arten wie Steinkauz, Mittelspecht, Hirschkäfer und Eremit finden hier wertvolle Lebensräume. Diese sollen erhalten und in den kommenden Jahren gezielt weiterentwickelt werden.
Möglich wird dies durch ein gemeinsames Projekt von Forstamt, Naturschutz und Denkmalpflege. Ab Herbst 2026 werden historische Sichtachsen zur Altenburg schrittweise wieder geöffnet. Bereits seit dem 18. Jahrhundert prägten diese Blickbeziehungen den Altenburger Wald und machten die Burg als Wahrzeichen der Stadt weithin sichtbar. Die Umsetzung erfolgt auf Grundlage eines gemeinsam erarbeiteten Konzepts, das den Schutz wertvoller Lebensräume ebenso berücksichtigt wie den Erhalt des Kulturdenkmals.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die Wiederbelebung historischer Waldbewirtschaftungsformen. Auf rund zwei Hektar Mittelwald und etwa 1,2 Hektar Niederwald entstehen lichte Waldstrukturen – Lebensräume, die heute in der Region selten geworden sind. Davon profitieren zahlreiche Arten, darunter Hirschkäfer, Haselmaus, Bechsteinfledermaus, Pirol und verschiedene Tagfalter wie der Maivogel.
Die Bewirtschaftung erfolgt nach einem historischen Prinzip: Junge Bäume werden in regelmäßigen Abständen „auf den Stock gesetzt“. Aus den Wurzelstöcken treiben sie anschließend von selbst wieder aus. So entstehen dauerhaft unterschiedliche Entwicklungsstadien des Waldes, während die steilen Hänge durch das bestehende Wurzelwerk stabil bleiben.
Gleichzeitig werden wertvolle Alt- und Habitatbäume sowie Totholzstrukturen kartiert und dauerhaft geschützt. Ergänzend entstehen Hirschkäfermeiler als Entwicklungsstätten für die seltenen Käfer. Invasive Pflanzenarten wie der Japanische Staudenknöterich werden herbizidfrei zurückgedrängt.
Das Projekt verbindet damit gleich mehrere Ziele: Es stärkt die Artenvielfalt, erhält historische Waldnutzungsformen, macht die Altenburg wieder besser sichtbar und bewahrt den besonderen Charakter des Altenburger Waldes für kommende Generationen. Aufgrund seines Modellcharakters wird das Vorhaben über das Vertragsnaturschutzprogramm Wald (VNP Wald) des Bayerischen Umwelt- und Forstministeriums gefördert.
Öffentliche Waldführungen
Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen, sich bei geführten Waldbegehungen über die geplanten Maßnahmen zu informieren und mit den Fachleuten ins Gespräch zu kommen.
- Samstag, 5. September 2026, 10 Uhr
Waldbegehung im Altenburger Wald
Treffpunkt: Oberer Parkplatz Altenburg - Freitag, 11. September 2026, 17 Uhr
Waldbegehung im Altenburger Wald
Treffpunkt: Oberer Parkplatz Altenburg - Sonntag, 13. September 2026, 15 Uhr – Tag des offenen Denkmals
Führungen des Forstamtes unter dem Motto „Waldkulturerbe im Weltkulturerbe“
Treffpunkt: Oberer Parkplatz Altenburg (Kreuzigungsgruppe)
Weitere Informationen zum Projekt bietet außerdem ein Podcast:
https://youtu.be/xPVFpx4C0VU?si=S2r5o-ItHu9tTdAb
Textquelle: Stadt Bamberg
Titelbild: Blick durch den Altenburger Wald: Zwischen den Bäumen öffnet sich die Sicht auf Bamberg und die umliegende Landschaft. Im Rahmen des Projekts sollen historische Sichtachsen zur Altenburg schrittweise wiederhergestellt und zugleich wertvolle Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten erhalten und entwickelt werden. Quelle: Sonja Seufferth

