Geschichten gute Nachbarschaft 17- 21

Geschichte Nr. 17 – „Advent, Advent ….“
Die Adventsfenster-Aktion wurde erstmalig 1995 durchgeführt. Getragen von dem Wunsch, die Tage der Adventszeit gemeinsam mit den Familien des Wohngebietes ausklingen zu lassen und dabei auch die neuen Nachbarn kennen zu lernen, wurde die Idee der Adventsfenster aufgenommen und sogleich umgesetzt. Seitdem organisiert der Bürgerverein am Bruderwald für jeden Tag der Adventszeit vom 1.12. bis zum 24.12. Einladungen zu einem Fenster.
Ab dem Sommer werden dafür die Anmeldungen angenommen. So kann jeder sicher gehen, sein „Wunschdatum“ zu bekommen. Rechtzeitig vor dem 1. Dezember wird ein liebevoll gestalteter Adventskalender flächendeckend an alle Haushalte im Wohngebiet verteilt und im Schaukasten des Bürgervereins vor dem Philippus-Gemeindezentrum ausgehängt.
Für die Adventsfenster laden die Gastgebenden die Bewohnerinnen und Bewohner des Wohngebietes in ihre Gärten, Vorgärten oder Hauseingänge ein. Es beteiligen sich Familien, Hausgemeinschaften und Institutionen. Erfreulicherweise öffnet sich auch nach mehr als zwei Jahrzehnten an fast jedem Abend ein Fenster. Für manche Gastgebende der ersten Jahre ist die Erstellung eines Fensters inzwischen altersbedingt mühsam geworden. Doch es finden sich immer wieder neue Anwohner, die die Tradition weitertragen.
In den ersten Jahren wurde viel improvisiert, um den Punsch heiß zu halten; seit vielen Jahren gibt es nunmehr zwei elektrisch beheizbare Punschtöpfe, die von Fenster zu Fenster weitergereicht werden, und gewährleisten, dass die Getränke heiß genossen werden können.
Die Adventsfenster beginnen allabendlich um 18.00 Uhr und dauern je nach Witterung ca. 1 Stunde, manchmal auch etwas länger. Schnee ist willkommen, sorgt er doch für eine ganz besondere Atmosphäre. Aber auch Wind und Regen halten die Besuchenden nicht ab.
So wie es bei einem Adventskalender üblich ist, enthält jedes geschmückte Fenster die Zahlen des entsprechenden Datums und es verbergen sich hinter jedem „Türchen“ Überraschungen. Diese sind vielfältig: So wird je nach Neigung an einem Abend musiziert, an einem anderen eine Geschichte vorgelesen oder an wieder einem anderen ein Gedicht vorgetragen. Immer plaudern die Nachbarn zwanglos miteinander. Außerdem gibt es Naschereien sowie Glühwein und alkoholfreien Punsch. Die Anzahl der Besucher schwankt zwischen ca. 10 und 80 Gästen beträchtlich und hängt nicht zuletzt vom Wochentag ab. Die Adventsfensteraktion endet immer am 24.12. mit dem Öffnen des Fensters an der Philippuskirche.
Jedes Jahr stellen wir fest, wie sehr diese Pausen im vorweihnachtlichen Alltag gut tun.
Gemeinsam geht es so Abend für Abend dem Weihnachtsfest ein Stück entgegen.

Geschichte Nr. 18 – „Frau L. – eine Nachbarschaftsepisode“
Viele Jahre waren wir Nachbarn einer älteren, resoluten Dame. Sie wohnte ein einem kleineren Haus aus den 50iger Jahren. Sie lebte schon dort, als wir in das Nebenhaus gezogen sind. Frau L. war von Statur her eine kleinere, vom Umgang her aber robuste Frau. Sie war schon lange Witwe. Sie hatte ihren Garten; im Haus oben gab es eine kleine, beengte Wohnung, in der über längere Zeit wechselnde Mieter wohnten.
Unser Verhältnis mit Frau L. war freundlich, aber eher distanziert. Mit ihren Mietern darüber hatten wir eher mehr Gesprächskontakt. Wenn Frau L. etwas wollte oder brauchte, winkte sie mich an den Zaun: Sie hat mir dann bedeutet, dass die herüber wachsenden Pflanzen gestutzt werden müssten, oder hat gebeten, dass die Kinder beim Einkauf etwas für sie mitbesorgen sollten. Schwieriger war es, wenn sie am Zaun etwas über andere Nachbarn wissen wollte; weil sie eher schwerhörig war, hätte ich meinen Kommentar laut rufen müssen…
Hatte sie eher technische Probleme, auch dann hat sie mich angesprochen: z.B. sollte ich nachsehen, warum die Klingel am Zaun nicht mehr geht; prüfen, warum die Tiefkühltruhe im Keller nicht mehr arbeitet. Auch als der letzte ihrer Mieter plötzlich schwer erkrankte, holte sie mich, um bei ihm eine Entscheidung über einen Transport ins Krankenhaus zu forcieren.
Auch wenn man im Alltag gar nicht so sehr viel miteinander redet, bekommt man doch automatisch einiges mit: Sie traf sich z.B. ein- manchmal zweimal die Woche mit einem Kreis gleichaltriger Frauen, manchmal auch in ihrem Garten. Sie liebte Piccolo-Sekt. Über längere Zeit kam regelmäßig eine frühere Mieterin (Friseurin von Beruf), welche ihr die Haare gerichtet hat.
Wir wussten etwa den Zeitpunkt, wann vormittags der Rollo in der Küche hoch ging. An Verwandtschaft kam eigentlich nur die Enkelin mit ihrem kleinen Kind öfter; die Enkelin machte sich auch etwas Sorgen um die älter werdende Oma; weil sie nicht am Ort, sondern ca. 50 km entfernt wohnte, gab die Enkelin mir einmal ihre Adresse und Telefonnummer und notierte unsere.
Auf der Rückseite ihres Häuschens konnte Frau L von der Küche aus einige Stufen hinunter in einen kleinen, völlig eingezäunten und abgetrennten Gartenteil gehen; zum restlichen Garten bzw. Garagenbereich war ein Torbogen mit einem (normalerweise) abgeschlossenen Tor. Als sich Frau L zum zweiten Mal irgendwie ausgeschlossen hatte und sich durch längeres Rufen aus dem abgetrennten Gartenteil bemerkbar machen musste, damit der Schlüsseldienst gerufen wird, hat sie beschlossen, bei uns einen Haus-und Wohnungsschlüssel zu deponieren.
Eines Tages – es war noch die Zeit vor den mobilen Telefonen – war ich noch länger auf und dann kurz vor Mitternacht auf dem Weg ins Bett. Im Treppenhaus bemerkte ich gerade noch, dass das Telefon im Flur klingelt – um den Schlaf der Kinder nicht zu stören, war der Apparat dort ganz leise gestellt. Ich wunderte mich etwas über einen Anruf zu dieser Zeit, meldete mich dann nur knapp mit „ja“ und höre wie jemand leise etwas murmelt – ich habe nichts rechtes verstanden, wollte schon auflegen; plötzlich war mir jedoch, als wäre es die Stimme von Frau L. Ich habe sie darauf hin direkt mit Namen angesprochen. Es wurde dann deutlich, dass sie aus dem Bett gefallen war, aber alleine nicht mehr aufkam. Sie hat dann am Kabel den Telefonapparat herangezogen und letztlich unsere Nummer angerufen (ob sie diese im Kopf hatte, oder auf einem Aufkleber am Telefon, oder ob ihr die Enkelin Kurzwahltasten belegt hatte – weiß ich nicht mehr).
Ich habe daraufhin meine Frau geweckt; dank der deponierten Schlüssel konnten wir in ihre Wohnung. Wir haben ihr dann zu zweit mit etwas Aufwand aufgeholfen. Weil sie aber gut ansprechbar und orientiert war, sind wir so verblieben, dass wir am Morgen die Enkelin informieren. Die Enkelin intensivierte in der Folgezeit ihre Besuche und veranlasste Verschiedenes (u.a. eine mehrtägige Untersuchung in einer geriatrischen Klinik).

Geschichte Nr. 19 – „Sommerfest im Haus Miteinander in Gaustadt“

Geschichte Nr. 19 Haus Miteinander Gaustadt Sommerfest

Geschichte Nr. 20 – „Haus Miteinander in Gaustadt“

Geschichte Nr. 20 Haus Miteinander Gaustadt

Geschichte Nr. 21 – „Haus Miteinander in Gaustadt“

Geschichte Nr. 21 Haus Miteinander Gaustadt